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Argentinien und Mar del Plata.

Ein Reisebericht aus meinem Land,  das mir doch manchmal fremd vorkommt.

Als Argentinierin, die sieben Jahre ihr Land nicht mehr besucht hatte, kostete es mich etwas Zeit, zu entscheiden, was ich denn in meinem Urlaub dort anfange. Erst einmal muss man ja ankommen, was für mich nicht bedeutet aus dem Flugzeug auszusteigen, die Zollkontrolle zu passieren und die Füße auf argentinischen Boden zu setzen. Ich sage immer: Flugzeuge transportieren einen schneller von A nach B, als der Mensch es mitbekommt. Da kommt das Gepäck am Flughafen an, unser Körper ist auch am Zielort, während unsere Seele und die Gedanken noch in der Luft sind. In meinem Fall, sich noch irgendwo über dem Südatlantik befanden.

Nach vielem hin und her, und unterwegs im argentinischen Sommer, mit zu unerträglich hohen Temperaturen, um in Buenos Aires lange zu verweilen, entschied ich mich für einen Aufenthalt an der Küste. Wenn man aus Europa kommt, ist Argentinien im Vergleich wirklich riesengroß und die Küste immer noch ein Ort, den man, von Buenos Aires aus, relativ schnell erreichen kann.

Wer in Argentinien kennt nicht Mar del Plata? Wer war nicht schon einmal dort an den langen Stränden oder in einem der berühmten Casinos mit anschließender Rückkehr ins Hotel, traurig weil man zu viel dort verloren, oder oberglücklich, weil man soeben den Sommer gewonnen hatte? Na, ich natürlich. Weder Mar del Plata, noch das”Buenos Aires mit Meer und Strand”, wie viele meiner Landsleute es nennen, kannte ich bis dahin. Also wurde es höchste Zeit.

Es gibt wohl kaum einen “Porteño!, der sich in Mar del Plata im Januar, nach einem Tag am Strand, nicht in eine lange Schlange einreiht, um sich zum Beispiel eine Pizza zu gönnen. Hochsaison! Da musste ich hin.

Mit einem Autobus – “Blitzbus” – was im argentinischen für Schnellbus steht. Nur, so war es nicht. Ich glaube, wir fuhren quasi für uns auf der Autobahn, da uns auch das älteste Auto noch locker überholte.

Die Überlandbusse in Argentinien haben Tradition – wie in ganz Südamerika. Man isst im Bus, hält ein Schwätzchen mit dem Nachbarn, dem Fahrer, trinkt seinen Mate (in Deutschland bekannt als Mate-Tee). So wird bereits die Reise selbst zu einem wesentlichen Bestandteil der Ferien. In diesem Fall besonders, hätte die Reisezeit doch für einen kompletten Asado (typisch argentinisches Grillessen) gereicht, der bei uns bis zu vier Stunden dauern kann. Jede Kultur hat halt seine Rituale, die gepflegt werden. Und ein ordentlicher Asado ist mit das Wichtigste im Leben der Argentinier!!

Ankunft in Mar del Plata. Man hatte mir gesagt, dass ich am oder in der Nähe vom Busbahnhof Tickets für die lokalen Autobusse kaufen kann, die im Stadtbezirk fahren. Also, man kauft diese Tickets nicht mehr im Autobus selbst, obwohl man dies könnte, wenn man sich “Komplikationen” ersparen möchte. Endlich fand ich auch den entsprechenden Ticketschalter. Zum guten Schluss entschied die Verkäuferin, welche Fahrkartenkombination für mich das beste sei. Sie verkaufte mir natürlich die teuerste Variation. Eine Woche wollte ich bleiben. Mein frisch erworbener Fahrkartenvorrat hätte für weitere zwei Wochen gereicht! Aber zuerst mit dem Taxi zum Hotel.

Mit Gepäck in unseren Autobussen in der Stadt zu reisen ist nicht wirklich zu empfehlen. Es ist kein Platz für Gepäck vorgesehen, die Federung tendiert gegen Null und die Straßen sind nicht gerade eben. 

So fährt man doch sehr schwankend durch die Gegend. Besser, sich gut festzuhalten. Da stört Gepäck nur. Das per Internet vorgebuchte Hotel befand sich einige Kilometer außerhalb der Stadt – für uns ist das schon das platte Land – der campo. Schön anzusehen, die Vogelwelt war beeindruckend. Und erst diese Ruhe – so mag ich es. Die Zimmer waren in kleineren Hütten untergebracht. Alles sehr romantisch. Bis man mir die Tür zu meinem Zimmer aufsperrte. Es war so ähnlich wie in einem alten Hollywoodfilm. Obermuffig und feucht schlug es mir entgegen und dazu der Geruch von vielen “Asados”, die meine Vorbewohner wohl auf der Terrasse abgehalten haben. Der ebenfalls vorhandene Kamin trug noch sein Quentchen dazu bei. Oh, und die Sauberkeit, bis hin zur Bettwäsche war auch für südamerikanische Standards “unter aller Kanone”. Und das für ein Hotel, das einige Sternchen sein eigen nennt. Nun, ich entschied mich zu bleiben!

Beim ersten Mittagessen, das immerhin drei Sterne verdiente und hausgemacht war, lernte ich Diana und Craig kennen. Sie Argentinierin und er Nordamerikaner. Die waren ähnlich drauf, so wie ich, und mußten sich erst mit den Unzulänglichkeiten im Hotel, wie dem miserablen Swimmingpool abfinden.

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Hotelgarten Hotel Apartur ©reisecockpit

Die Gartenanlage, die großen Bäume im Garten hingegen, versöhnten uns wieder ein wenig mit unserer Wahl. In Sinne unserer Kultur, wo man, wenn es etwas schlechtes gibt, nicht soviel Aufhebens darum macht, traf ich mich mit Craig, seiner Gitarre und Diana einige Abende im Wintergarten des Hotels. Ja, es wurde sogar Tango getanzt. Also, da war die Welt wieder in Ordnung und wir mit dem Hotel versöhnt..

Klar, an den Strand muss man natürlich gehen und ich ging. An den Strand “La Perla” – den Strand in Mar del Plata, wo alle schon einmal waren. Die ganz Berühmten Argentiniens, die Politiker und die ganz normalen Leute. “La Perla” heißt für viele Argentinier Erinnerungen an die Kindheit, das Heranwachsen, Enttäuschung, Erinnerung an die erste Sommerliebe, Scheidung und Depression. Ja, wir Argentinier sind auch gut in Depression, besonders der Porteño. Der Sand am Strand von “La Perla” könnte viele Geschichten erzählen.

Es war Anfang Dezember, eine Zeit, an der die Argentinier noch ihrer Arbeit vor den Feiertagen und den sich anschließenden Sommerferien (Südhalbkugel!) nachgehen. Man denkt an den Jahreswechsel und das es bald Januar sein wird. So gab es noch wirklich viel Platz am Strand und man konnte sich noch die beste Stelle  aussuchen, um den Blick auf die Wogen des Atlantiks zu genießen. Ab Januar – vergiß es.

Und dort am Strand traf ich auf Genaro, Rentner, alleinstehend, so um die siebzig Jahre alt, der seinen zweiten Frühling genoss.

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Sr.Genaro, Mar delPlata, ©reisecockpit

Wir in Argentinien fragen ja nicht nach dem Alter des Anderen. Nein, das gehört sich nicht. Wir sind alle jung und voll im Leben. Aber er erzählte mir sein Leben in den drei Stunden, die ich am Strand verbrachte. Nicht, das er nicht mehr zu erzählen gehabt hätte. Und wenn ich ihm meine Telefonnummer gegeben hätte, hätten sich seine Erzählungen sicherlich nicht nur auf diesen Ort am Strand beschränkt.

So sind wir, die Argentinier, kommunikativ und mit der Fantasie das es da immer noch ein wenig mehr geben könnte, das immer noch ein wenig mehr auf Einen wartet.

Dieser Reisebericht ist ein Gastbeitrag von Nora Guillen mit Eindrücken ihres Aufenthalts in Argentinien und in Mar del Plata im Dezember 2013.

 


 



Seit über 25 Jahren aktiv in der Tourismusbranche. Spezialisiert in Marketing und Kommunikation. Tätigkeitsgebiete von Südamerika bis Südostasien. Liebt das Reisen und den Austausch mit fremden Kulturen. Ist gern am Strand, sowie im Wasser. Greift in letzter Zeit vermehrt zur Feder, um Reiseblogs und Artikel zu schreiben. Besitzt ein Faible für Photographie und Videoclip Produktionen. Gründer der Travel Agents Community.

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